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Totale Mondfinsternis am 3. März 2007

Das Wunder von Bad Homburg vom 3. März 2007

Die totale Mondfinsternis über Bad Homburg (Beobachtet vom Haus Luise, Dornholzhausen (50°14’27,86“ N, 8°35’04,86“ O).

Ein Bericht von Oliver Debus

Die Wettervorhersage für die Nacht vom 3. auf den 4. März 2007, der Nacht der einzigen von Deutschland sichtbaren totalen Mondfinsternis in diesem Jahr war wenig hoffnungsvoll. Weniger als 10%, so die Prognosen, wäre die Chance einen Blick auf die Finsternis zu werfen.

Und wirklich, es sah nicht gut aus am Samstagabend. Der Himmel war bewölkt und es nieselte.

Der erste Kontakt um 21:21 Uhr, mit bloßem Auge kaum zu sehen verschwand hinter dichten Wolken. Die Spannung stieg und ebenso die innere Anspannung. Sollte die Mondfinsternis hinter Wolken stattfinden, war alles warten umsonst?

Einige hatten bereits die Hoffnung verloren, nur noch zehn mondsüchtige Sternfreunde harrten aus.

Dann, gegen 22 Uhr ein Hoffnungsschimmer; „Ich sehe Sterne“, hallte es durch den Raum. Und tatsächlich, im Westen war ein Loch in den Wolken zusehen und dadurch schimmerten die Sterne vom Stier und Fuhrmann. „Der Mond kommt durch“, rief jemand kurze Zeit später. Ein Wolkenloch zog kurz über den Mond und gab den Blick auf den Erdtrabanten frei. Doch wenig später war er schon nicht mehr zu sehen. Quälend langsam vergingen die Minuten bis zum dritten Kontakt, dem Beginn der sichtbaren Finsternis, wenn der Mond in den Kernschatten eintritt. Das sollte um 22:33 Uhr sein. Doch immer wieder zogen dichte Wolken über unsere Köpfe.

Dann, kurz nach halb elf geschah das Wunder. Die Wolkendecke riss auf und gab den Blick auf den bereits angeknabberten Mond frei. Es war als hätte der Mond die Wolken weggeblasen. Der Himmel war auf einmal wolkenlos. Neben dem Wintersternbildern Stier, Fuhrmann, Orion, Großer und Kleiner Hund und Zwillinge zeigten sich noch die Sternbilder des Frühlings. Auch Saturn, den der Mond in der Nacht vorher verdeckte strahlte im schönsten Glanz.

Und jetzt wurde es hektisch, Fernrohre wurden im Freien aufgestellt, Kameras gegriffen. Mit einer Webcam wurde das Schauspiel in den Vortragsraum übertragen und draußen klackten die Kameras. Daneben blieb, anders als bei einer Sonnenfinsternis ausreichend Zeit das Spektakel live zu betrachten. Langsam schob sich der Mond in den Kernschatten der Erde. Immer mehr verschwand von ihm. Allmählich färbte er sich auch rötlich. Und dann machte es der Mond noch mal richtig spannend. Um 10 Minuten vor Mitternacht sollte er eigentlich im Kernschatten ganz verschwinden und dann im kupferroten Licht auf uns herabblicken. Doch noch minutenlang hielt sich eine schmale, helle Sichel, die wie eine Eiskappe wirkte. Dann war er ganz im Kernschatten verschwunden und neben ihm wurden, fast wie bei einer totalen Sonnenfinsternis, die Sterne in seiner unmittelbaren Nähe sichtbar. Es war ein fantastischer und auch irgendwie magischer Anblick.

Und der vorher Wolken verhangene Himmel? Nichts, kein Wölkchen war zu sehen. Erst jetzt wurde mir bewusst welches Glück uns zu Teil wurde.  Auch wenn ich schon einige Mondfinsternisse gesehen habe, kann ich mich nicht daran erinnern jemals eine so spannende erlebt zu haben. Überhaupt müssen wir uns glücklich schätzen, dass wir in solch einer unglaublich faszinierenden kosmischen Konstellation leben dürfen. Auf den anderen erdähnlichen Planeten in unserem Sonnensystem sind keine solchen Schauspiele zu erleben, da ein entsprechender Erdmond fehlt. Dieses heimliche Glücksgefühl vertrieb auch sämtliche Anzeichen von Müdigkeit, die sich vorher einstellten, als es noch so schien als würde das Wetter die Beobachtung verhindern. So war es auch nicht schlimm, dass es noch bis fast halb drei in der Nacht dauern sollte, bis der Mond aus dem Kernschatten wieder gänzlich heraustrat.

Mittlerweile wieder zu hause angekommen ließ ich mir den Rest des Schauspiels daher nicht entgehen. Pünktlich, kurz nach dem Ende des Kernschattenaustritts schob sich eine große Wolke vor den Mond und verbarg ihn vor meinen Blicken. Es erschien gerade so als wäre der Vorhang nach einer fantastischen Vorstellung gefallen. Dies verstärkte nur noch den Eindruck Zeuge eines „Wunders“ geworden zu sein.

22:47 Uhr: Der Mond beginnt seinen Eintritt in den Kernschatten der Erde, nachdem er erfolgreich die Wolken vertrieben hat.

23:14 Uhr: Es dauert nicht mehr lange und der Mond ist ganz im Kernschatten der Erde verschwunden.

23:27 Uhr: Immer weniger ist vom Mond zu sehen.

0:03 Uhr: Der Mond ist im Kernschatten der Erde und leuchtet im kupferroten Licht. Rechts von ihm steht der Stern 56 Leonis,  links von ihm der bläuliche 59 Leonis. Ein wahrlich faszinierender Anblick.

1:44 Uhr: Der Mond verlässt den Erdkernschatten. Auf dem Bild gut zu erkennen ist, dass der Erdschatten rund ist. Dies war für die griechischen Naturforscher ein sicheres Indiz für die Kugelgestalt der Erde.

2:11 Uhr: Der Mond ist beinahe ganz aus dem Erdkernschatten heraus getreten. Kurze Zeit später, so al wäre der Vorhang gefallen verbarg eine große Wolke den Mond.

Alle Bilder wurden mit einer Canon EOS 300D digitalen Spiegelreflexkamera aufgenommen. Als Objektiv diente ein MTO 500 Teleobjektiv, unter Amateurastronomen auch als Russentonne bekannt. (Maksutov, Öffnung 90mm, Brennweite 500 mm, Öffnungsverhältnis f:5,6)

Die Mondfinsternis als Film

Klicken Sie auf das Bild und sehen Sie sich die Mondfinsternis als Film an (mit Windows Media Player, Größe 360 KB, Dauer etwa 3 Minuten)